29 sep Crashino: Wie ein Schweizer Testzentrum die Sicherheit von Fahrzeugen und Infrastruktur prüft
Crashino ist mehr als nur ein Testgelände – es ist ein zentraler Akteur in der Schweizer Verkehrssicherheit. Seit über 40 Jahren wird hier systematisch geprüft, wie Autos, Motorräder und sogar ganze Infrastrukturprojekte auf Kollisionen, Unfälle und Extrembedingungen reagieren. Mit rund 100 Teststrecken, darunter eine der längsten Kollisionstests der Welt, und einer einzigartigen Kombination aus realistischen Szenarien sowie hochmoderner Messtechnik, deckt das Institut alle relevanten Szenarien ab – von Frontal-, Seitencrashs über Aufpralltests auf Bäume bis hin zu dynamischen Fahrbahnunebenheiten. Die Ergebnisse fließen direkt in die Entwicklung neuer Sicherheitsstandards ein, etwa für Assistenzsysteme oder die Gestaltung von Straßen. Dabei steht nicht nur die Fahrzeugtechnik im Fokus, sondern auch die menschliche Komponente: Wie reagieren Fahrer unter Stress, und welche psychologischen Faktoren spielen bei Unfällen eine Rolle?
Die Bedeutung von Crash-Tests für die Schweizer Automobilindustrie
Für die Schweizer Automobilbranche ist Crashino ein unverzichtbarer Partner. Die meisten Schweizer Hersteller führen hier ihre Tests durch, weil das Gelände die einzigartige Kombination aus präziser Messtechnik, realistischen Bedingungen und international anerkannten Normen bietet. Besonders wertvoll ist die Möglichkeit, komplexe Szenarien zu simulieren, die in der Praxis selten auftreten – etwa Kollisionen mit schwer zugänglichen Objekten wie Bäumen oder Brückenpfeilern. Die Ergebnisse zeigen, wie sich neue Materialien, Designs oder Assistenzsysteme unter extremen Bedingungen verhalten. Ein konkretes Beispiel ist der Test von Elektroautos: Hier wurde untersucht, wie sich die Batterie bei einem Aufprall verhält, was für die Sicherheit von Passagieren entscheidend ist. Die Daten helfen, die Normen wie die Euro-NCAP oder die Schweizer ECE-R129 (UN R129) zu präzisieren, die für die Zertifizierung neuer Modelle essenziell sind.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Entwicklung von Assistenzsystemen. Durch die Kombination aus Labor- und Freifeldtests kann Crashino zeigen, wie gut Systeme wie adaptive Tempomatregelung, Spurhalteassistent oder Notbremsassistent in realen Situationen funktionieren. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung von Software und Hardware ein, etwa für autonome Fahrfunktionen. Gleichzeitig wird untersucht, wie sich neue Technologien wie KI-gestützte Unfallprävention auf die Sicherheit auswirken. Die Schweiz profitiert davon, dass die Tests oft direkt mit den Entwicklern zusammenlaufen, was zu schnelleren Innovationen führt – etwa bei der Integration von Sensoren oder bei der Optimierung der Airbag-Systeme.
Crashino und die Infrastruktur: Wie Straßen und Brücken sicherer werden
Doch die Sicherheit geht über Fahrzeuge hinaus. Crashino prüft auch die Widerstandsfähigkeit von Infrastruktur – etwa Brücken, Tunnel oder Fahrbahnbeläge. Hier wird getestet, wie sich Straßen unter extremen Wetterbedingungen verhalten, wie gut Asphalt oder Beton bei Schnee oder Eis hält, und wie sich Brücken bei plötzlichen Belastungen verhalten. Ein Beispiel ist der Test von Tunnelwänden: Hier wurden verschiedene Materialien und Designs auf ihre Eignung gegen Einstürze geprüft, etwa bei einem schweren Unfall in der Nähe. Die Erkenntnisse helfen, die Schweizer Bauvorschriften zu verschärfen und neue Standards für die Sicherheit von Infrastruktur zu entwickeln. Besonders relevant ist dies für die Ausbreitung des Elektroverkehrs, da die Infrastruktur – etwa Ladeinfrastruktur oder neue Fahrbahnmarkierungen – ebenfalls auf Crashs und Extrembedingungen getestet wird.
Ein weiteres Projekt betrifft die Sicherheit von Verkehrsinseln und Schutzstreifen. Durch Simulationen von Kollisionen mit Fußgängern oder Fahrrädern wird untersucht, wie effektiv diese Schutzstrukturen sind. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht alle Designs gleich gut funktionieren, und helfen, neue Standards für sichere Verkehrsinseln zu entwickeln. Crashino arbeitet dabei oft mit der Verkehrswacht Schweiz und dem Bundesamt für Straßen zusammen, um die Sicherheit in Städten zu verbessern. Besonders in den letzten Jahren hat es zu einer Zunahme solcher Tests gegeben, da die Schweiz immer mehr auf autofreie Zonen und verkehrsberuhigte Gebiete setzt.
- Seit 1978 führt Crashino jährlich rund 1000 Tests durch, darunter 300 Kollisionstests mit verschiedenen Fahrzeugtypen.
- Das Testgelände umfasst eine Fläche von über 100 Hektar und verfügt über eine der längsten Kollisionstrecken der Welt (über 100 Meter).
- Crashino arbeitet eng mit der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) zusammen, um neue Materialien für die Fahrzeug- und Infrastrukturtechnik zu entwickeln.
- Seit 2015 hat die Anzahl der schweren Unfälle auf Schweizer Strassen um 15 % abgenommen – ein Erfolg, der teilweise auf die Ergebnisse von Crashino zurückzuführen ist.
- Die Tests umfassen nicht nur Fahrzeuge, sondern auch die menschliche Komponente: Durch Simulationen wird untersucht, wie Fahrer unter Stress reagieren.
- Crashino prüft jährlich rund 50 neue Assistenzsysteme für die Schweizer Automobilindustrie und gibt Empfehlungen für deren Verbesserung.
Die Arbeit von Crashino ist eng mit politischen Entscheidungen verknüpft. Die Erkenntnisse aus den Tests fließen direkt in die Entwicklung neuer Verkehrsregeln ein, etwa für die Einführung von Tempolimits oder für die Gestaltung von Kreuzungen. Ein konkretes Beispiel ist die Diskussion um die Sicherheit von LKWs auf Schweizer Strassen. Durch Tests mit schweren Nutzfahrzeugen wurde gezeigt, dass bestimmte Designs von LKWs die Sicherheit für Fußgänger und andere Fahrzeuge erhöhen können. Dies hat zu neuen Vorschriften geführt, die die Auslegung von LKWs und ihre Positionierung auf der Strasse regeln.
Doch die Herausforderungen sind groß. Die Schweiz steht vor der Aufgabe, ihre Verkehrssicherheit weiter zu verbessern, während gleichzeitig neue Technologien wie autonomes Fahren oder E-Mobilität eingeführt werden. Crashino muss sich ständig weiterentwickeln, um mit diesen Veränderungen Schritt zu halten. Dazu gehören nicht nur die Modernisierung der Testmethoden, sondern auch die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern, etwa mit dem US-amerikanischen NHTSA oder mit europäischen Testzentren wie dem DLR in Deutschland. Die Schweiz profitiert dabei von ihrer neutralen Position und ihrer Fähigkeit, internationale Standards zu setzen.
Für die Zukunft sieht Crashino eine weitere Steigerung der Sicherheit durch die Integration von KI in die Testverfahren. Durch künstliche Intelligenz können komplexe Szenarien schneller und präziser analysiert werden, und neue Sicherheitslösungen können schneller getestet werden. Gleichzeitig wird die Bedeutung von psychologischen Studien über das Fahrverhalten immer größer. Die Erkenntnisse aus diesen Studien helfen, neue Verkehrsregeln zu entwickeln, die nicht nur technische, sondern auch menschliche Faktoren berücksichtigen. Die Arbeit von Crashino ist damit ein wichtiger Baustein für eine sichere Zukunft auf den Schweizer Strassen.

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